Besuch in der Camargue, Stierkämpfe in Arles und Muscheln in Nimes


Die Camargue. Unendliche Weiten. Wunderschön gelegen im Mündungsdelta der Rhône, dem wasserreichsten Fluss Frankreichs. Eine Landschaft wie nach dem Starten eines Leveleditors. Flach bis zum Horizont und urtümlich von Sümpfen durchzogen und von flachen Gewächsen überwachsen. Die Gegend ist komplett als Naturschutzgebiet ausgewiesen, was nicht nur den hunderten Vogelarten die hier leben zu Gute kommt sondern auch den berühmten weißen Wildpferden und schwarzen Stieren. Wobei ich mal dahingestellt lasse wie wild die Pferde tatsächlich noch sind.

In jeden Fall wild sind aber die Rosa Flamingos die hier in den Seen stehen, unweit der Reisfelder und der roten flachen Salzseen, der Salinen, in denen das bekannte Salz der Camargue gewonnen wird.

Trotz der schwülen Hitze wollten wir uns diese Anblicke nicht entgehen lassen, denn oftmals ist es wegen des Wetters nur bedingt möglich das Gebiet zu erkunden.
Unsere Fahrt ging von Marseilles also zu erst gen Westen nach Salin-de-Giraud wohin wir kurz vor dem Ziel die Fähre (5,- €) nehmen mussten. Die kurze Wartezeit bis die Fähre wieder auf unserer Seite war konnte man gut nutzen um ein paar schöne Fotos von den unzähligen Libellen zu machen die hier jeden Zweig der Büsche in Beschlag genommen zu haben schienen.
Direkt nach der Fährüberfahrt war schon das Touristeninformationszentrum ausgeschildert, dem wir gerne einen Besuch abstatteten um uns mit den „vor Ort“ Infos zu versorgen.
Hier erfuhren wir wo der beste Aussichtspunkt auf die Salinen war (südlich von Salin-de-Giraud, links der Route de la Mer) und auch das am Ètang du Fournelet meist Flamingos zu sehen sind.
Der Weg kam uns sehr gelegen, denn er führte uns in einem großen Bogen quer durch die Camargue nach Saintes-Marines-de-la-Mer , wo wir trotz der Entfernung auch gerne noch hin wollten.
Unterwegs hielten wir an den angesprochenen Punkten an und machten schöne Fotos der blutroten flachen Salinenseen und der Gruppen wilder Flamingos. Ein wunderbarer, fast schon surrealer Anblick.

In Saintes-Marines-de-la-Mer angekommen stärkten wir uns bei einem späten Mittagessen, natürlich nicht ohne vorher auch mal das von Alex angepriesene Lavendeleis zu probieren. Für unseren Geschmack zwar etwas zu süß, aber definitiv mit einer lavendeligen Note, und daher ein Muss für jeden Urlauber in der Region!

Anschließend ging die Fahrt weiter nach Arles, wo eine gut erhaltene Arena (Colloseum) aus römischer Zeit steht. Generell ist es erstaunlich wie stark die Bauwerke hier noch vom römischen Einfluss von vor über 2000 Jahren geprägt sind!
Vermutlich stehen hier mehr und besser erhaltene römische Bauwerke als in Italien selbst.
Da die Arena in Arles geöffnet hatte und dort gerade Stierkämpfe abgehalten wurden wagten wir einen Blick. In der Touristeninfo hatten wir erfahren, dass die Stierkämpfe hier, anders als in Spanien, unblutig sind! Die Tiere werden dabei nicht getötet. Viel mehr geht es darum dass eine Gruppe in weiß gekleideter junger Männer mit einer Art Blechgriffel dem Stier versucht Bänder von den Hörnern zu ziehen. Das dem Stier das Gewusel nicht gerade gefällt war offensichtlich und so versuchte er die Jungs auf die Hörner zu nehmen. Diese konnten zwar nicht unbedingt schneller laufen als der Stier, aber besser Springen. Flink versuchten Sie im Vorbeisprinten eines der Bänder zu klauen, nachdem sie ihn gerufen hatten und sprangen dann schnell über die Bande in Sicherheit als er hinter ihnen her war. Ein echtes Spektakel!
Kurz nachdem wir uns gesetzt hatten wurde der erste Stier wieder aus der Arena gelassen und ein neuer “frischer” Stier kam herein. Hier war die Kraft und das Temprament zu spüren! Er war wild und sah beeindruckend kraftvoll aus. In typischer Stiermanier schnaubte er, scharrte im sandigen Bogen und demonstrierte seine Macht.
Und er schien gar nicht mehr gehen zu wollen. Selbst als die Jungs fertig waren stand er in der Mitte der Arena, schaute sich scharrend in alle Richtungen um und schien innerlich zu denken „Kommt doch her wenn ihr euch traut!“
Letztlich wurden zwei weitere Stiere mit Glocken hereingeführt die ihn mit aus der Arena führten.

Nachdem wir die Stadt weiter besichtigt hatten, die wirklich schön und mit unzähligen engen, alten Gässchen aufwartet suchten wir leider vergeblich die Van Gogh Brücke. Weder im Reiseführer noch in meiner Offlinekarte war sie verzeichnet.
Dann ging es nach einem Abendessen zurück nach Marseilles.

In Marseilles angekommen merkte ich dass ich wohl meine Sonnenbrille im Restaurant in Arles habe liegen gelassen. Ich rief also im Restaurant an und die bestätigten mir dass sie dort noch lag. Für den nächsten Tag war das Programm also, statt die Sehenswürdigkeiten von Marseilles zu besichtigen, wieder die etwa 75Km nach Arles zu fahren um die Sonnenbrille zu holen.

Da wir in Marseilles aus dem Hotel auch auschecken mussten hatten wir bei der Fahrt all unsere Sachen dabei. Auf der Fahrt meinte Nina plötzlich ob wir eine Nacht zu wenig gebucht hatten. Denn unser Hotel in Toulon war in der Expedia-App erst für den übernächsten Tag als Check-in markiert.

Beim Frühstück in Arles kam mir daher der Gedanke ob wir das nicht nutzen wollten um eine Nacht in Nimes zu bleiben. Dort gibt es eine noch größere Arena als in Arles, eine wunderschöne Altstadt und außerdem gilt sie als die Geburtsstadt der Jeans (Nimes – Denim, englisch für Jeans). 
Ursprünglich war uns die Fahrt zu weit aber mit einer Übernachtung wäre es machbar und so beschlossen wir aus der Not, nochmal nach Arles fahren zu müssen um die Brille zu holen, eine Tugend zu machen. Per Kreditkarte und Expedia-App buchte ich uns ein 3 Sterne Hotel in der Altstadt von Nimes.
Außerdem hatte ich so noch mal die Gelegenheit die Van Gogh Brücke zu suchen, die wir tags zu vor nicht gefunden hatten. Besser ausgestattet, dank einer Googlerecherche, fanden wir sie nach etwas suchen auch. Etwas unspektakulär, aber auf jeden Fall klar als die Brücke vom Bild zu erkennen.

Auch Nimes ist den Besuch wert gewesen, wenngleich recht viele Baustellen in der Stadt waren. Die Altstadt ist aber riesig, ebenso wie dir colloseumähnliche Arena. 
Nach vielem Rumlaufen ging es zum Frischmachen ins Hotel und dann etwas leckeres Essen. Meine erste Portion Muscheln mit einem leckeren Weißwein stand an. Nina orderte klassisch Bier und Pizza. Bei einem Italiener aber sicher auch keine schlechte Wahl!
Der Höhepunkt folgte allerdings mit dem Dessert – Tiramisu. Als ich später auf der Rechnung sah das die beiden Nachtische nicht drauf standen, gab es kurzerhand ein extradickes Trinkgeld für den Kellner. So hatten wir etwas gespart und er eine Extraeinnahme.

Zurück im Hotel schrieb ich noch ein paar Postkarten – Nina hatte ihre Nachmittags schon im „Wassergarten“ Les Jardins de la Fontaine geschrieben. Und der Reiseblog musste natürlich auch mal wieder mit einem frischen Artikel versorgt werden.
Das verhältnismäßig „schnelle“ WiFi musste ich einfach nutzen um die Bilder für den Blog und den Artikel zu den Lavendelfelder hochzuladen. Den Text dazu hatte ich schon zwei Tage zuvor auf einer Autofahrt geschrieben.
Am nächsten Tag ging es nach dem selbst gemachten Frühstück zurück nach Marseilles zum Sights Seeing und dann weiter nach Toulon für unsere letzte Hoteletappe.

1 comment

  1. Peter

    Hi Ihr Beiden im Land der Verliebten, danke für die Bilder und den Bericht. Das Libellenportrait ist mein Favorit Liebe Grüße vom Peter

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