Wie uns Griechenlands Eurokrise an den Strand getrieben hat

Nachdem die letzten beiden Tage überwiegend faulenzertage am Strand waren sollte der heutige mal wieder für einen Tagesausflug genutzt werden. Wir wollten daher gestern auf dem Rückweg von Marathi Beach (Südseite an der Landzunge wo der Chania Airport ist) ins Hotel tanken fahren. Alle Tankstellen die wir unterwegs gesehen haben hatten allerdings ein Flatterband zwischen den Zapfsäulen gespannt und waren demnach außer Betrieb. Also musste heute morgen getankt werden. Wir sind also extra früh aufgestanden (Weckerklingeln um 8.30) um vor der Fahrt nach Balos Beach, ganz im nord-westen noch in die Stadt zu können damit ich meine Tauchgänge endlich mal buchen kann. Gleichzeitig wollten wir tanken fahren um dann anschließend gleich auf die „Autobahn“ (New National Road) gen Westen auffahren zu können. Aber auch heute hatten alle Tankstellen an denen wir vorbeikamen wieder das bekannte Flatterband gespannt und so sind wir mal bei einer der Tankstellen rangefahren und ich fragte den Tankwart warum es niergends Benzin zu kaufen gibt. Er erklärte dann das gestreikt wird und es erst ab morgen wieder Treibstoff zu kaufen gäbe. Na super, dachten wir uns. Die Nadel der Tankanzeige war schon kurz vor der Reservemarke und bis nach Balos Beach sind es sicher ein bis zwei Stunden fahrt plus 10km einsame Dirtroad. Das wird dann heute also wohl nichts mit dem Ausflug. Kurz entschlossen wurde also ein weiterer Faulenzertag am hiesigen Strand drangehängt – nachdem wir unsere Erledigungen in der Stadt gemacht hatten (habe mir zum Beispiel noch ein traditionelles Messer mit Kirschholzgriff gekuft (das Olivenbaumholz fand ich nicht so schön)) und die immernoch recht stürmische See erneut betaunten. Die Wellen die an die Kaimauer am Hafen klatschen und in den Wellenbrechern davor auflaufen sind die letzten zwei, drei Tage um einige Stufen stärker als zum Ende der letzten Woche hin. Sogar im Hafenbecken schwappt das Wasser an vielen Stellen über die Wege auf denen sich jeden Abend die Touristenstöme an den Tarvernen entlangschieben.. pardon, entlang flanieren! 😉

Wie schon gesagt ging es also wieder an den Strand. Auf der Suche nach einem netten Restaurant sind wir die Tage hier in der Ecke um unser Apartment mal die Strandstraße hoch und runter gefahren und haben einen schönen Strand gefunden an dem es einige Surfer gab. Dieser hat ebenfalls einen etwas geschützteren Nachbarstrand und an dem waren wir dann heute nochmal. Der war zuwar immernoch so wellig das man nicht schorcheln konnte aber etwas Wellenreiten und Planschen ist ja auch super. Teilweise waren echte „Kawenzmänner“ dabei. Wenn man sich gegen solch einen geworfen hat, wenn er vor einen zusammengebrochen ist, hat das ordentlich gezwiebelt. Als wäre man gegen eine Wand aus Wasser gerannt.

In der Stadt habe ich jetzt ürbigens für übermorgen zwei Dives vom Blue Adventure Diving gebucht. Beides werden Cavern-Dives also Tauchgänge in unterseeische Höhlen. Der Unterschied schwischen Cave-Dives und Cavern-Dives ist, dass man bei Cave-Dives durchaus weit in ein Höhlensystem hineintaucht (was eine Zusatzausbildung, Sicherungsleinen usw. erfordert) und bei Cavern-Dive nur etwa 150m in ein Höhlensystem eintaucht. Außerdem sind die Ein- und  Augänge bei Cavern-Dives die ganze Zeit mehr oder weniger sichtbar. Ich habe also zwei Cavern-Dives gebucht. Der eine Tauchgang wird in die sogenannte Cathedral gehen (hier ein Video von ner anderen Tauchbasis von nem Tauchgang in der Kathedrale und hier noch Fotos von Tauchgängen mit „meiner“ Tauchbasis.). Der zweite Tauchgang geht zur „Seal“. Dort gibt es wohl im Winter einen Seehund der der Höle ihren Namen gab. In den Höhlen gibt es Versteinerungen und Reliquien aus prähistorischer Zeit, außerdem Stalakniten und Stalaktiten. Klang jedenfalls sehr spektakulär. Mit Fische gucken ist ja hier im Mittelmehr eher weniger, das haben wir ja beim Schnorcheln schon gesehen.
Als neue späktakuläre Sichtung kann allerdings ein Krake hinzugefügt werden. Nina und ich waren zusammen schorcheln, sie ist dann raus und ich habe eine andere Stelle nochmal alleine ausprobiert und prompt einen kleinen Kraken gesichtet. Ich holte sie daraufhin wieder ins Wasser und wir suchten zusammen ob wir einen weiteren finden. Und sie fand einen weiteren. Meiner war etwa handteller groß (ohne Beine) ihrer war Suppenteller groß! Ich habe ihn erst gar nicht erkannt. Nina meinte der hat sich da irgendwo versteckt und zeigte unter Wasser auf die Stelle. Ich nahm an das er etwa die Größe von dem vor mir zuvor gesichteten hat und suchte die Steinzwischnräume ab. Und dann bewegte er sich und ich sah das er so groß war wie die Steine selbst. Perfekt getarnt und super schön. Seine Oberfläche hatte er wild gezackt an seine Umgebung angepasst, die Farbe dunkelgrau-braun-beige wie der Stein mit Sand dazwischen um ihn herum. Super schön. Einen echten Krakenspotter habe ich da mit mir im Wasser gehabt! 🙂

Übrigens habe ich während ich am Strand lag das erste der beiden Bücher gelesen. „Als ich vom Himmel fiel“ heißt es und beschreibt wie Juliane Koepcke es schaffte als einzige überlebende eines Flugzeugabsturzes in den 1960ern aus dem Peruanischen Dschungel wieder in die Zivilisation zu gelangen. Was ich mir als ein spannendes Buch und Survival-Story vorstellte entpuppte sich allerdings leider als eine Art „selbstlobende“ Lebensgeschichte Julianes. Es ist ohne Frage eine echte Leistung was sie damals gebracht hat und ein echter Schicksalsschlag als einzige den Flugzeigabsturz als 17 jährige zu überleben und auch noch die Mutter dabei zu verlieren. Aber ich habe das Buch eigentlich angefangen zu lesen um ihren Weg aus dem Dschungel zu hören und eine Survivalstorry/Reisebericht erwartet. Statt dessen erzählt sie eher autobiografisch wie sie aufgewachsen ist und warum sie sich heute für den Urwald einsetzt und erwähnt eher „nebenbei“ mal in gefühlten 20 Seiten wie sie aus dem Dschungel zurück maschierte. Survival-Fackts gibts dabei eigentlich keine zu lesen. Da das ganze ein Spiegel-Bestseller ist hätte ich mir das allerdings auch denken können. Jedenfalls habe ich das Buch jetzt bei etwa 2/3 weggelegt. Sie ist wieder in der Zivilisation angekommen, alles weitere interessiert mich nicht.

Absolut empfehlenswer ist dagegen mein zweites Buch! Von Joey Kelly (genau, der von der Kelly Family) „Hysterie des Körpers“. Als Reisebericht verfasst er darin wie er 2010 die 900Km von Wilhelmshafen bis auf die Zugspitze gelaufen ist. Nur gegessen und getrunken was der Weg hergibt, nur benutzt was er selbst tragen kann. Absolut super geschrieben und sehr viele kleine Tipps. Ein Treffen mit Survival-Legende Rüdiger Nehberg ist natürlich auch drin, der eine ähnliche Tour vor vierzig Jahren auch schon mal gemacht hat. Wer sich für das Thema interessiert: lesen! (ISBN: 978-3-499-62810-8).

So, das sind jetzt wieder genug Zeilen Bericht gewesen. Das Mythos Bier, das es heute zu den selbstgekochen Spargetthi gab (wie gestern auch schon), scheint mal wieder als echtes Schlafmittel zu wirken. Also gehts für mich jetzt ins Bett und noch ein paar Seiten lesen.
Kali nichta!

(Die Strandfotos sind übrigens von gestern (Marathi Beach), nicht dass sich noch jemand wundert wo den die Kawenzmänner sein sollen ;))